Theater
Das Potenzial von Theater ist auch heute noch ungemindert vorhanden. Damit zählt es zu den wenigen Medien, die Medienumbrüche annähernd verlustfrei überlebt haben. Was mich am Theater besonders reizt ist das Zusammenwirken von Inhalt und Form. Generell interessiere ich mich hier aber nur für die Perfektion, die in der Lage ist eine ästhetische und geistige Befriedigung gleichermaßen herzustellen.
Es ist folglich nicht ausreichend, wenn etwas schön aussieht und gut inszeniert ist, die ästhetische Empfindung also bedient und befriedigt wird, der Inhalt aber lapidar daher kommt und keine oder nur wenig geistige Auseinandersetzung abverlangt. Ebenso ist es nicht ausreichend, wenn die inhaltliche Ausarbeitung einer Thematik derart gut ist, dass sie selbst die Kritiker wohlgesonnen schreiben lässt, aber die ästhetische Ausgestaltung nicht ausreichend schön ist und damit wie ein fader Beigeschmack an der Grenze zu Eckel dem Werk anhaftet.
Wir sehen hier den Grundkonflikt von Kunst in reiner Form. Ist es Kunst oder Unterhaltung? Ist es geistreich oder schön? Ist es schwer oder leicht verdaulich, ist es geistig oder ästhtetisch?
Für mich verschiebt sich das Verhältnis hier. Ich ersetze in der Logik sozusagen das oder durch ein und. Es ist Kunst und Unterhaltung, es ist geistreich und schön, es ist gut verdaulich, geistig als auch ästhetisch, es kratzt an der Grenze zur Perfektion, es ist ein Kunstwerk, im Moment und in der Ewigkeit.
Wie gelangt man dahin?
Theater ist ein altes und etabliertes Gewerk mit festen Regeln. Ich kann und werde hier kein Rad neu erfinden. Und dennoch möchte ich gern einen Raum iniziieren, der eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung der Kunstform Theater bietet.
Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist das Zusammenwirken von Inhalt und Form. Im Theater ist es gemeinhin so, dass die Form den Inhalt prägt und der Inhalt die Form. Da beides nicht gleichgewichtig ist, gibt es hier nur einen Punkt, wo man einen Hebel ansetzen kann. Denn etwas, das inhaltlich gut ausgearbeitet ist, kann in einem zweiten Schritt ästhetisch geformt werden. Andersherum ist es leider nicht oder kaum möglich. Etwas das ästhetisch gut ausgearbeitet ist, lässt sich nicht oder nur sehr schwer im Nachgang mit Inhalt anreichern.
Was bedeutet das im Klartext?
Ich interessiere mich grundlegend für bereits fertig inszenierte Stücke, deren Aufwand in der Umformung zur ästhetischen Perfektion überschaubar und realisierbar ist. Es entscheidet also der Premierenstand einer Inszenierung, ob diese in Betracht kommt für eine nachträgliche Ästhetisierung. Meine Arbeit beginnt grundlegend mit der Rezeption von Premieren.
Ist ein Stück inhaltlich ausreichend verdichtet und in der Inszenierung zu dem Grad vollendet, dass auch für die inhaltliche Perfektion nur wenige dramaturgische Stellschrauben gedreht werden müssen, kommt es für die Erarbeitung eines Konzeptes zur Ästhetisierung grundlegend in Betracht.
Zum Hintergrund und weil die Mechanismen im Theater vielen wahrscheinlich nicht geläufig sind: Die Entstehung eines Theaterstückes ist ein hoch dramatischer Akt. Alle Machtkämpfe, die in einem Theater stattfinden, zwischen Regie und Solisten, zwischen Solisten untereinander, zwischen Intendanz und Regie, zwischen Regie und Kostüm/ Bühne, zwischen Verwaltung und Intendanz, zwischen Öffentlichkeit und Verwaltung, all diese Konflikte und den damit einhergehenden Machtdemonstrationen, fließen in eine Inszenierung ein, egal welcher Regisseur, egal welche Textvorlage. Da Theater gemeinhin von der öffentlichen Hand finanziert werden, sind daddurch immer Abhängigkeiten vorhanden. Mit dem ersten Probenbeginn hängt also ein Damokles-Schwert über der Inszenierung und die Angst vor Misserfolg ist ein ständiger Begleiter. Gerade bei geistigen Ausarbeitungen, die nicht mit einem ästhetischen Aufgebot daher kommen, und somit auch keinen Zuschauerfolg prognostizieren, ist die Angst vor Misserfolg bis zum Schlussapplaus der Premiere derart groß, dass die Auseinandersetzung damit nicht jedem gelingt. Christoph Schlingensief, ein bekannter deutscher Theaterregisseur, hat sich zum Beispiel während der Premieren seiner Stücke immer in der Kuppel des Fernsehturms in Berlin versteckt, bis der Schlussapplaus verllungen war und irgendjemand das Urteil über Kunst oder Schrott gefällt hat.
Ich komme nun zum eigentlichen Punkt: Dieser Prozess der Entstehung und die grundlegende Abhängigkeit sind wichtige Voraussetzungen für eine inhaltliche Verdichtung. Man muss quasi 6 Wochen lang denken, dass das Schrott ist, was man gerade tut, damit sich innerhalb der 6 Wochen immer mehr der Schwerpunkt auf den Inhalt legt und Aussagen provoziert. Aussagen, die Wahrheit widerspiegeln, die mutig sind, die kritisch andere und sich selbst reflektieren. Aussagen, die eine Zukunft gestalten und Hoffnung geben. Die inhaltliche Verdichtung braucht sozusagen eine hohe Spannung und einen dramatischen Ablauf, damit sie überhaupt entsteht. Und sie darf bei alle dem vor allem eins nicht, ästhetisch schön sein. Ästhetische Aufwertung würde jede Form von Aussage sofort unterbinden. Wenn ein goldenes Metallgeflecht von links nach rechts gut ausgeleuchtet über die Bühne rollt, dann ist es egal, was der Schauspieler am Bühnenrand ihnen erzählt, sie würden es nicht wahrnehmen. Sie würden nur dem goldenen bewegten Glitzschein hinterherschauen und anschließend fragen, was hat er gesagt?
Das Visuelle und das Ästhetische wirken viel stärker als das Wort, weshalb man es unterbinden muss, wenn es um eine Verdichtung von Aussagen geht, also um eine Inszenierung, die eine geistige Auseinandersetzung evoziert. Nichtsdestotrotz ist das Visuelle wichtig. Wichtig für die ästhetische Empfindung und Befriedigung. Ist ein Werk also ausreichend verdichtet und der Aufwand für eine Ästhtisierung in einem überschaubaren Rahmen, lohnt sich eine Erarbeitung eines Konzeptes, dass sich mit der Perfektion beschäftigt.
Praktisch bedeutet das, dass neben der Erarbeitung des Konzeptes, das je nach zurgundeliegender Inzenierung andere Schwerpunkte haben kann, vor allem ein hoher organisatorischer Aufwand entsteht bezüglich der Verhandlung von Urheber- und Verwertungsrechten mit dem Regisseur und dem Theater der Grundinszenierung. Teil des Konzeptes ist auch die Entscheidung, ob das Resultat der Ästhetisierung in eine Aufnahme mündet oder als Inszenierung in Form von Gastspielen durch die Theaterlandschaft wandert. Beides hat Vor- und Nachteil und muss in Absprache mit dem Regisseur und dem Theater entschieden werden. Es muss auch entschieden werden, ob der Cast bleibt, oder ob das Stück mit einem anderen Cast neu einstudiert wird. Auch hier gibt es Vor- und Nachteile, die es lohnt zu betrachten.
Meine Zielstellung ist die ästhetische Vollendung. Es gitb tausenderlei Gründe, warum diese Stufe im Basisbetrieb nicht erreicht wurde und es hat wirklich in den ganz seltensten Fällen etwas mit dem Talent der Beteiligten zu tun. Es ist aber gerade bei Stücken, wo wirklich nicht mehr viel fehlt, eine Schande, wenn man diesen Schritt nicht noch geht.
Ich muss es wahrscheinlich nicht erwähnen, aber Stücke, die sich gegen meine religiöse Auffasuung richten, kommen nicht in Betracht.
Organisatorisches
Zeitraum
Für eine Beauftragung sollten sie in der Regel einen Zeitraum von einem Jahr einplanen.
Besonderheiten
An religiösen Feiertagen arbeite ich generell nicht. Bitte beachten Sie das in Ihrer Planung.
Arbeitsweise
Ich erarbeite ein Konzept, was etwa die Hälfte der Zeit und die Hälfte des Geldes beanpruchen wird. Das Konzept beinhaltet bereits die vollständige Kostenplanung und wirbt im Nachgang weitere finanzielle Unterstützung ein. Eine Umsetzung ist innerhalb von 6 Monaten möglich, kann aber je nach Cast-Entscheidung auch länger dauern, wenn die Freistellung eines bestimmten Darstellers einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt. Sie werden als Auftraggeber nach Wunsch in alle Entscheidungen einbezogen.
Kontakt
Planen Sie bitte ein, dass wir im Rahmen der 12 Monate in einem engen Kontakt stehen und Sie ansprechbar sein müssen.