Wie beauftragen Sie ein eigenes künstlerisches Werk?
Sie geben das Thema vor. Ich gieße es in eine audio-visuelle Form. In der Regel benötige ich drei Shootings, um den Kern eines Themas fotografisch und akustisch zu erfassen. Generell sollten Sie sich bewusst sein, dass meine Kunst immer auch eine Darstellung von Wahrheit ist. Wahrheit hat und zeigt, in Abgrenzung zu Werbung, immer auch unbequeme oder unvorteilhafte Aspekte. Ich neige von Hause aus sehr zu Ästhetisierung, sprich zur ästhetischen Aufwertung von unbequemen und unvorteilhaften Wahrheiten. Das erzeugt gemeinhin visuelle Spannung. Desweiteren ist Wahrheit nicht zu jedem historischen Zeitpunkt verständlich oder ertragbar. Das erzeugt gemeinhin Spannung in der Werkauslegung. Das künstlerische Werk, dass ich in Ihrem Auftrag erschaffe, hat folglich potenzielle Risiken, wie z.B., dass es nicht verstanden wird, weil die Gesellschaft nicht bereit dazu ist oder, dass Sie es nicht als ausreichend schön empfinden, weil Ihre ästhetische Wahrnehmung zu sehr durch Werbung geprägt ist. Kunst ist im Gegensatz dazu ganzheitlich, sowohl visuell, als auch in der Werkauslegung.
Kunstwerke enstehen durch Shootings, die immer eine Erarbeitung oder eine Annäherung an einen Ort oder ein historisches Ereignis sind. Ich dokumentiere primär. Das, was ich sehe und was ich wahrnehme. Ich halte also fest, was die Geschichte zu diesem Zeitpunkt als ertragbares Maß vorgibt. Gleichzeitig erfasse ich die Potenziale, die die Geschichte für die Zukunft bereithält.
Ich gebe Ihnen hierzu ein Beispiel: 1999 fahre ich auf eine Studienfahrt nach Auschwitz. Wir sind etwa eine Woche dort, schauen uns auf dem Weg das Ghetto in Krakau an und werden von einem Zeitzeugen durch die Lager geführt. Ich bin zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt und habe gerade angefangen professionell zu fotografieren. Auschwitz ist ein schwieriger Ort, die Geschichte wiegt hier schwer. Wenn ich mir die Bilder heute anschaue, als mittlerweile historisch ausgebildete Akademikerin, dann tut mir die Ästhetisierung, die in den Bildern liegt, weh. Die Bilder sind schön. Damals habe ich das nicht so empfunden, Ästhetisierung ist für mich einfach ein Mittel zur Erarbeitung, zum Verständnis, wenn ich es ästhetisiere, kann ich es zumindest erstmal anschauen. Wenn ich es anschaue, dann habe ich die Chance es zu verstehen. Wenn ich es verstehe, dann kann ich eine Position dazu entwickeln.
Ästhetisch schöne Bilder von Auschwitz sind jedoch historisch problematisch, auch heute noch. Ich fahre 2020 zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erneut hin. Die Gruppe, mit der ich durch Birkenau gehe, ist schon weit vor mir. Wir betreten gerade die Rampe. Ich tue mich schwer, will nicht weiterlaufen, will die Rampe nicht betreten. Ich zwinge mich zum Laufen. Auf der Rampe sehe ich auf der gegenüberliegenden Seite eine Gruppe jüdischer Männer, tief versunken im Gespräch. Es sieht ein wenig aus wie eine Familie, aber ohne die Frauen. Es sind Männer verschiedener Generationen. Mich überkommt eine Freude, Freude darüber, dass jüdische Familien sich mit Auschwitz beschäftigen. Das ist historisch wichtig. Ein Mann der Gruppe sieht mich mit meiner Freude und ich erhalte einen strafenden Blick. Ich denke lange nach über dieses Ereignis.
Auschwitz ist ein schwieriger Ort. Es ist der Kern des Nationalszialismus unter Adolf Hitler. Ich danke den Russen bis heute und in alle Ewigkeit, dass sie diese Tore geöffnet und das Grauen beendet haben. Und dennoch zeigt mir meine Auseinandersetzung mit dem Ort, dass es neben dem überbordenden Leid, das dort gespeichert ist, dass es daneben auch Freude gab, das in Auschwitz auch gelebt wurde, das Auschwitz auch ein Zuhause war. Ein Zuhause der dort lebenden, die den Tod jeden Tag gesehen haben. Es gab auch Freude auf der Todesrampe. Es gab ein Wiedersehen, wenn auch nur kurz und auch wenn der Tod folgte.
Mortis-art beschäftigt sich auch mit der Frage, wie man in den Tod geht. Das Mindset, dass man hat, bevor man stirbt ist ebenso ein zentrales Element beim Sterben, wie die körperlichen Gegebenheiten. Die Nazis haben alles dafür getan, die körperlichen Gegebenheiten durch Hunger, Durst und Hygiene so schlecht wie möglich bereitzustellen. Die Sytematik der Todesrampe in Auschwitz-Birkenau ist der größtmögliche Versuch der Nazis das Mindset der Juden zu zerstören. Und dennoch ist da diese Freude, dennoch ist da G*tt, der in diesem ganzen Wahnsinn da ist und in den kleinen Situationen das Mindset stärkt. Das finde ich sehr hoffnungsvoll, auch wenn ich wohl die einzige bin, die das so empfindet.
Mein Auschwitz-Werk ist ein Langzeitprojekt und wie Sie wahrscheinlich ahnen, der Motor meines künsterlischen Wirkens. Es soll Ihnen aber hier auch nur veranschaulichen, dass Geschichte nicht zu jedem Zeitpunkt erzählbar ist und das Wahrheit auch unbequem ist und weh tun kann. Ich möchte Sie daher ein wenig sensibilisieren für den künstlerischen Prozess. Ich kann ihn nicht immer selbst steuern. Ich steuere auch keine historischen Prozesse oder religiöse Auslegungen. Alles, was ich kann, ist den Code der Wahrheit lesen. Dazu benötige ich auch meinerseits eine bestimmtes Mindset.
Planen Sie deshalb bitte eine entsprechnd hohe Aufwendung und in einem hohen Maße Zeit ein. Ich benötige einen Teil der Aufwendung, um mein Mindset zu erhalten. Dass kann je nach schwere der Thematik bedeuten, dass ich das Geld dafür verwende ein Sabatical zu nehmen, um mich wieder mit G*tt zu verbinden. Oder nach Rom fahre und eine Messe beauftrage. Möglich ist auch, dass ich einen Teil des Geldes an religiöse Einrichtungen spende oder mit dem Geld religiöse Projekte/ Treffen iniziiere. Mein Mindset ist abhängig von der religiösen Weltgemeinschaft, die ich ebensowenig beeinflussen kann. Ich kann nur beeinflussen, ob ich mit dieser verbunden bin oder nicht. Und sollte mich Ihre Beauftragung von dieser entfernen, was der Regelfall bei Beauftragungen sein wird, dann muss ich mich mit dieser wieder verbinden. Bedenken Sie das bitte.
Organisatorisches
Zeitraum
Für eine Beauftragung sollten sie in der Regel 6 Monate bis zur Fertigstellung einplanen, ungeachtet der Materialität des Kunstwerkes.
Besonderheiten
An religiösen Feiertagen arbeite ich generell nicht. Bitte beachten Sie das in Ihrer Planung.
Arbeitsweise
Meine Arbeitsweise ist agil. Dementsprechend benötige ich Rückkoppelungsschleifen in den entsprechenden Entstehungsphasen. Ihr Werturteil ist Bestandteil der künstlerischen Ausgestaltung. Für Menschen, die keine Erfahrungen mit künstlerischen Prozessen haben und Kunstwerke immer erst in der fertigen Form betrachten, kann diese Arbeitsweise kognitiv überfordernd sein, weil unfertige Kunstwerken die Vorstellungskraft für das darin liegende Potenzial benötigen. Bedenken Sie das bitte.
Kontakt
Ein Kunstwerk ist immer maßgescheidert. Planen Sie bitte ein, dass wir im Rahmen der 6 Monate in einem engen Kontakt stehen und Sie ansprechbar sein müssen.
Weiterleitung
Bei allen Gewerken, die ich nicht selbst handwerklich beherrsche, beauftrage ich meinerseits Künstler*Innen.
Urheberrecht
Nach der Fertigstellung des Kunstwerkes und der damit verbundenen finanziellen Vertragserfüllung gehört das Kunstwerk Ihnen. Ich bitte jedoch um Namensnennung.